Ein Blick hinter die Kulissen eines ambitionierten Projekts, das nie richtig abhob
Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report
Als Porsche und die Pon-Holding 2022 die P2 E-Bike GmbH gründeten, klang die Vision beeindruckend: Premium-E-Bikes, entwickelt in Stuttgart, unterstützt durch die technische Erfahrung von Greyp, Rotwild und der Porsche-eBike-Performance. Ein neues High-End-Ökosystem sollte entstehen – modern, innovativ, markenstark.
Doch heute ist klar: P2 hat nie den Sprung geschafft.
Nicht, weil das Projekt schlecht gedacht war,
sondern weil es an denselben Mechanismen scheiterte,
die schon vielen Autoherstellern im Bike-Segment Probleme bereitet haben.
Ein Projekt zwischen Vision und Zersplitterung
P2 war kein klar abgegrenztes Unternehmen, sondern Teil eines komplexen Geflechts:
- Porsche eBike Performance (Fazua + Motorentwicklung)
- Greyp (Akku- und Connectivity-Know-how, später eingestellt)
- Rotwild-Kooperationen
- Parallele Porsche-Design-E-Bikes mit externen OEM-Rahmen
Das Ergebnis war ein unübersichtliches Portfolio,
in dem P2 nicht die eigene Identität fand.
Zu viele Ideen, zu viele Richtungen,
aber kein klarer Fokus.
Die Marke stand irgendwann nicht mehr für ein Produkt,
sondern nur noch für ein Versprechen.
Ein Markt, der plötzlich ernster wurde
Während P2 Strukturen aufbaute, kippte der Markt.
Der E-Bike-Boom der Pandemie endete abrupt:
- volle Lager
- sinkende Nachfrage
- preisbewusstere Kundschaft
- härterer Wettbewerb
Wer 2020 jedes Bike verkaufen konnte, musste 2024 kämpfen.
Genau in dieser Phase versuchte P2, ein Premium-E-Bike zu etablieren –
und suchte Käufer in einem Umfeld, in dem selbst starke Marken ihre Preise senkten.
Fehlende Produkte – große Worte, wenig Sichtbarkeit
P2 kündigte viel an,
doch konkrete Bikes in nennenswerten Stückzahlen erreichten den Markt kaum.
Eine Marke ohne physische Präsenz ist keine Marke –
und die Szene reagiert auf „Produktversprechen ohne Produkt“ in der Regel allergisch.
Greyp: ein Baustein, der nicht trug
Greyp, einst als Innovationsmotor gekauft, wurde 2023 eingestellt.
Nicht rentabel, zu teuer, zu wenig Marktakzeptanz.
Damit fiel ein zentraler Pfeiler der P2-Technikbasis weg –
und weitere Ressourcen wurden gebunden, statt freigesetzt.
Automarken verstehen den Bike-Markt meist falsch.
Sie sehen ein Lifestyle-Produkt,
einen Technik-Showcase,
eine Erweiterung ihrer Marke.
Aber Mountainbikes – erst recht E-MTBs –
sind kein Nebenprojekt.
Sie sind hochspezialisierte Produkte,
deren Entwicklung Erfahrung, Community-Nähe und technische Detailarbeit verlangt.
Viele Autohersteller haben versucht, den Prozess abzukürzen:
statt eigene Entwicklungsabteilungen aufzubauen,
kaufen sie OEM-Rahmen, Partnertechnologien oder halbfertige Plattformen ein
und versehen sie mit ihrem Logo.
Das Ergebnis ist fast immer dasselbe:
- technisch interessante, aber unausgereifte Bikes
- spektakuläre Preise
- wenig Marktverständnis
- kaum Serviceinfrastruktur
Gute Fahrräder entstehen nicht dadurch,
dass ein großer Markenname draufsteht.
Sie entstehen dadurch,
dass Entwickler die Szene, die Trails und die Praxis kennen.
Der Markt hat Autohersteller dafür mehrfach abgestraft –
zuletzt mit P2.
Was bleibt?
P2 ist nicht spektakulär gescheitert.
Es ist vielmehr ein Projekt, das nie richtig gestartet ist,
weil Struktur, Timing und Produktfokus fehlten.
Es zeigt erneut, wie schwer es ist,
den E-Bike-Markt nur als Branding-Fläche oder Technologie-Spielplatz zu betrachten.
Mountainbiken funktioniert anders.
Rider verzeihen keine Marketingprodukte.
Nur echte Bikes – echte Technik – echte Erfahrung.
Die Szene weiß genau, was hält
und was auf dem Trail zerbricht.
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